...dieses bekannte Adventslied von Georg Weissel ist das erste Lied im Evangelischen Gesangbuch. Wenn es im Gottesdienst das erste mal gesungen wird, beginnt jedes Jahr für mich der Advent.
In diesem Jahr haben offene Tore und eine hochgehobene Tür für mich auch noch eine ganz praktische Bedeutung.
Wir haben nämlich bei uns zuhause den Holzzaun erneuert und da sich der Handwerker ewig Zeit gelassen hat, muß nun noch schnell vor den ersten angekündigten Schneefällen der neue Zaun gestrichen werden. Die Gartentore hatten wir über Wochen so weit gemacht, dass man sie gar nicht mehr sah, denn sie waren ausgehängt. Die Garagentür hatte ich abends oft hochgeschoben, weil ich nach der Arbeit einzelne Zaunsfelder wegen des Regens zum Trocknen und anschließenden Streichen in die Garage gestellt hatte. Und was passierte in dieser Zeit? Fast jeder, der bei uns vorbeikam, fühlte sich durch die nicht mehr vorhandenen Tore und die offene Tür, wo man mir beim Arbeiten zuschauen konnte, quasi eingeladen, mit mir ein paar Worte zu wechseln. Es ist zwar auch sonst nicht so, dass die Leute nichts sagen, wenn sie vorbeigehen, aber meistens bleibt es beim „Guten Tag“. Jetzt aber, wo die Barriere Zaun weg und die Türe offen war, fühlten sich alle bemüßigt, irgendwie länger zu verweilen oder sogar ihren Nutzen daraus zu ziehen. Der eine fragte, ob er die alten Ziegelsteine vom Gartentor haben könnte, weil er die für einen Brotbackofen brauchte, der andere eilte beim Abriß dieser alten Torpfosten mit einem Boschhammer zu Hilfe und der nächste nahm mir den alten Zaun ab, weil er daraus noch was bauen wollte. Im Haus war es aufgrund des fehlenden Zauns so, als ob eine Gardine weggezogen worden sei. Man war plötzlich mittendrin statt nur dabei. Ein Nachbar meinte sogar, Zäune bräuchte man doch überhaupt nicht, es wäre doch so viel schöner. Und doch haben wir einen neuen Zaun gebaut, weil man sich eben mit Zaun doch geschützter fühlt. Der Zaun ist die Hemmschwelle, die wir selber überwinden müssen, um mit den Vorübergehenden ins Gespräch zu kommen und umgekehrt, aber auch um sich dahinter zurückziehen zu können, wenn man gerade allein oder als Familie unter sich sein will.
Im Leben und auch im Glauben haben und brauchen wir alle unsere Zäune, unsere Hemmschwellen, unsere Privatsphäre. Aber wir brauchen auch die offenen Türen und Tore, über die wir andere Menschen und Gott an uns heranlassen, in unser Leben eintreten lassen. Und gerade der Advent ist die Zeit im Jahr, wo wir unsere Herzen für Jesus, den Mensch gewordenen Gott, öffnen sollen und ganz besonders können. Es ist schon ganz klug angelegt, dass der Advent gerade in die dunkle, feuchte und kalte Jahreszeit fällt. Da schließt man sich schon wegen des Wetters am ehesten ein in die warme Stube, wo einen eigentlich niemand anders erreicht. Jetzt die Haustür öffnen heißt frieren und zittern. So aber können wir die Türen und Tore unseres Herzens öffnen und die Wärme und Geborgenheit verspüren, die unser Herzensgast mit sich bringt.
Mit diesem Wunsch nach offenen Türen und Toren grüßt Euch der CVJM in der Adventszeit!





